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Der Kongress ist Fan> Techno mit Ilian Tape

Dub is king! Die Ilian Tape Night am kommenden Freitag im Münchner Stadtmuseum wird groß. Immerhin sind die Protagonisten des Labels auch über Münchens Grenzen hinaus zu Stars avanciert. Der De.Bug Leserpoll kürte das Label und Dario Zenker jeweils auf Platz 10 der besten Labels bzw. DJs und den jüngeren Bruder Marco sogar auf Platz 8 der mächtigsten Live-Acts 2010. Grund zu feiern... Wir haben die Ilian Tape Boys Andy Mueller, Dario und Marco Zenker zu allerlei Enthüllungen und Einschätzungen bewegt. Ilian Tape im Interview mit Tobias Staab.

 

 

Tobias: Gratulation erstmal zu den großartigen Ergebnissen im De:Bug Leserpoll. Hättet Ihr das erwartet?

 

Dario: Ich war gerade im Stadtmuseum und hab mir die Location angeschaut, als Alex, mein Booker mich anrief und mir erst einmal über das Ergebnis bei den DJs Bescheid gab. Nachdem ich breits einigen meiner Freunde Bescheid gegeben hatte, rief ich noch mal meinen Booker an, um zu fragen, ob er mich auch nicht verarschen wollte. Erst dann hab ich davon erfahren, dass auch Marco als Live-Act und das Label selbst so gut abgeschnitten haben.

 

Tobias: Wie erklärt Ihr Euch das?

 

Dario: Nun ja, wir haben 2010 wieder angefangen Platten zu machen, nachdem wir lange ausschließlich digital releast haben, weiß aber nicht so recht ob das der Grund ist...

 

Marco: Ich glaube schon, dass die Tatsache, dass wir eben seit Frühjahr wieder Vinyl herausbringen ausschlaggebend für das Ergebnis war. Zuerst kam die Platte von Jichael Mackson, dann eine von mir und schließlich auch eine von Dario, für die wir allesamt extrem gutes Feedback bekommen haben.

 

Dario: Aber schon durch unsere Digital-Releases haben wir uns einige Fans auf der ganzen Welt gemacht und wir haben auch auf Beatport bereits über 1.000 Abonnenten. Trotzdem würd mich mal interessieren, wie das Ergebnis bei der De:Bug so zustande kam. Ich könnte mir schon vorstelen, dass das Ganze etwas mafiamäßig zustande kam und die Redaktion da auch noch ein wenig ihre Finger mit im Spiel hatte. Immerhin fehlen da ja auch eine ganze Reihe großartiger DJs und Labels und wir starten von Null auf diese drei Platzierungen. Das ist schon irgendwie verdächtig aber ich beschwer mich nicht (lacht).

 

Tobias: Wie haben sich denn die Vinyls verkauft?

 

Dario: Ja, schon verdammt gut. Bei Boris (Jichael Mackson, Anm. d. Red.) und Marco gab es bereits mehrfach Nachpressungen und meine kam ja eben erst raus...

 

Marco: Ich glaube, zumindest bei den Platzierungen von Dario und mir hat das ganz bestimmt auch mit dem Harry Klein zu tun, in dem wir ja Residents sind. Das Label hat damit allerdings ja eigentlich nichts zu tun...

 

Tobias: Geht Ihr davon aus, dass sich dadurch für Euch etwas ändert?

 

Dario: Das wird man sehen. Allerdings glaube ich, dass man vielleicht jetzt schon ein wenig spürt. Marco hat immerhin bald seinen ersten Gig im Watergate, allerdings leider nicht im Rahmen einer Ilian Tape Nacht.

 

Tobias: Wie kam es denn eigentlich zu dem Label?

 

Dario: Also ursprünglich, noch vor Ilian Tape, gab es das Label Hometown Music. Das war so ein uraltes Dub-Label, das meinem leiblichen Vater gehörte, zu dem ich ein eher schwieriges Verhältnis mit eher wenig Kontakt unterhielt. Als er mitbekam, was ich so mache und er fragte mich, ob ich das nicht weitermachen wollte. Ich war damals so 20, 21 Jahre alt und entsprechend naiv. Ich sprach mit Andy Müller, der sich dazu bereit erkläret das Artwork zu machen, und wir sagten zu. Wir haben dann vier Releases rausgebracht, musikalisch verortet in der klassischen Minimal Techno Ecke, und das Label lief echt super. War haben extrem viel Aufmerksamkeit bekommen und verkauften unfassbar viele Platten, so 800 bis 1.000 Stück pro Release. Dann kam aber wieder mein Vater ins Spiel und bremste uns aus. Zu der Zeit hatte ich allerdings schon extrem viel Arbeit in das Label gesteckt und die zwei nächsten Releases waren bereits gesignt und gemastert. Mein Vater meinte jedoch, wir sollten erst einmal aufhören zu releasen. Seitdem habe ich auch keinen Kontakt mehr.

 

Tobias: Und dann kam Ilian Tape?

 

Dario: Genau. Die beiden gesignten Acts, Lee Van Dowski und Seph, wurden dann zu den ersten Releases auf Ilian Tape. Außerdem hatten wir zu der Zeit auch schon die Remixe der ersten Hometown von Leonel Castillo, die der totale Hit waren.

 

Tobias: Wann war das?

 

Dario: 2005/ 2006 kam die erste Hometown raus. Ilian Tape kam dann 2007.

 

Andy: Ich kann mich noch erinnern, als wir damals in Wien im Camera-Club gespielt hatten und auf der Heimfahrt dann die Idee hatten, Ilian Tape zu machen...

 

Dario: Ne, das war doch noch vor Hometown. Ich glaube ich hatte Dir auf dieser Heimfahrt von Hometown erzählt, diesem alten Dub-Label und das wir das übernehmen können.

 

Andy: War das so?

 

Dario: Ja, ganz sicher.

 

Andy: Jedenfalls brauchten wir nach Hometown schnell ein neues Label, allerdings mit der alten Besetzung. Und einen neuen Namen...

 

Tobias: Was bedeutet der Name nochmal?

 

Dario: Naja, es ist schon so ein Phantasiename, der allerdings auf den jamaikanischen Slang zurückgeht. Die sagen zum Beispiel zu Bassline so was wie Biasline und Alien wird eben so gesprochen wie Ilian (lacht). Tape kommt daher, dass ich einfach mit Mixtapes aufgewachsen bin in meiner Kindheit.

 

Tobias: Daher auch das Ilian als Logo...

 

Andy: Was ja auch wiederum eine Kassette darstellt...

 

Dario (zu Andy): Super-Logo echt. Andy macht ja auch bei Ilian Tape die ganzen Artworks, Flyer und so weiter...

 

Tobias: Und legt auch auf?

 

Andy: Und ich leg auch auf, natürlich. Irgendwie hat jeder seinen Part gefunden, wie er zu dem Label beitragen kann.

 

Dario: Unsere Flyer sind ja keine normalen Flyer. Die Flyer, die Andy entwirft enthalten meist Gimmicks, wie etwa einen Schlüsselanhänger oder gelaserte Karten...

 

Marco: Alles in Handarbeit.

 

Andy: Wir sitzen da schon einige Nächte und produzieren so etwas und stecken Herzblut rein, was die Leute dann aber auch wieder mehr beachten als so einen ganz gewöhnlichen Flyer, bei dem eben keine wirkliche Story dahinter ist...

 

Dario: Das ist glaube ich auch so ein Ding, das auf den De-Bug-Leserpoll gewirkt hat, denn die wenigen Partys, die wir bisher gemacht haben hatten immer eine ganz eigene spezielle Atmosphäre. Wir zelebrieren das wirklich jedes Mal aufs Neue.

 

Andy: Und wir sind ja auch immer speziell an Off-Locations interessiert. Wir finden es einfach sehr spannend immer neue Räumlichkeiten zu finden und mit denen zu arbeiten und den Leuten immer wieder etwas Neues zu bieten.

 

 

Tobias: Wie würdet ihr denn die Musik beschreiben, die für Ilian Tape steht?

 

Dario: Also so einen wirklichen Trademarksound wie bei Minus oder Perlon gibt es da gar nicht. Wir haben viele Dub-Einflüsse drin, aber eigentlich geht es um Techno, House und Dubstep. Allerdings sind wir sehr offen...

 

Marco: Deep muss es sein.

 

Dario: Ja genau. Da ist dann alles möglich, auch in Richtung Breakbeat oder UK-Funky. Ilian Tape ist wie ein gutes DJ-Set.

 

Marco: Es gibt da schon etwas, was die einzelnen Stücke verbindet. Das ist aber weniger ein bestimmtes Genre.

 

Tobias: Inwieweit spielt dieser Freundschaftsaspekt bei Euch eine Rolle? Muss bei Euch jeder, der releast auch freundschaftlich mit Euch verbunden sein oder hat jeder die Chance auf Ilian Tape zu landen, der mit einer adäquaten Demo überzeugt?

 

Marco: Würden wir nur Freunde bei uns aufnehmen, würde uns das zu stark limitieren. Schließlich haben wir auch zu wenig Freunde in unserem engeren Umfeld, die dann wirklich Musik machen.

 

Dario: Wir haben schon ein eher breites Roster, allerdings sind wir tatsächlich mit einigen unserer Künstler befreundet. Etwa die Argentinier wie Jonas Kopp oder Franco Cinelli, das sind schon Freunde aber wir versuchen schon auch den Sound, den wir gut finden, von Leuten, die wir nicht persönlich kennen, zu uns aufs Label zu holen.

 

Tobias: Ihr schreibt also auch Leute an?

 

Dario: Genau. Wenn wir etwas richtig fett finden, dann fragen wir nach einer Platte und ansonsten eben nach einem Remix. Wir sind also kein reines Familienlabel.

 

Tobias: Was kommt denn als Nächstes?

 

Andy (zu Dario): Ist das schon spruchreif?

 

Dario: Ja, klar.

 

Andy: Die nächste Platte kommt von Marco mit einem Conforce Remix, der ja bei Rush Hour und Delsin schon einiges releast hat...

 

Dario: Und dann kommt auch schon die nächste von mir mit einem „Shake“ Shakir Remix.

 

Tobias: Wow.

 

Dario: Du siehst, wir sind da völlig offen. Es würde mich auch nicht wundern, wenn wir irgendwann einee UK Funky Platte machen würden mit Applebim oder so. Aber so legen wir auch auf... nicht wirklich wild alles hintereinander aber eine prinzipielle Offenheit ist uns schon wichtig...

 

Brane kommt zum Interview dazu. Setzt sich auf einen der beistehenden Hocker und sieht beim Interview zu.

 

Tobias: Kommt jetzt von Dir auch mehr?

 

Dario: Ja klar. Ich hab ja eben erst die allererste eigene Platte auf dem Label platziert, was mir echt schwer fiel. Man denkt einfach unfassbar viel darüber nach, wenn man auf dem eigenen Label releast. Zufrieden bin ich eh nie wirklich mit dem was ich mache aber das ist ein grundsätzliches Problem. Allerdings ändert sich die Einstellung auch zu anderen Labels. Ich bring einfach nur noch raus, worauf ich wirklich Lust habe und lass mich nicht mehr limitieren. Von größeren Labels bekommst du sonst ja gerne gesagt: „Mach das oder geh eher in diese Richtung, weil es sich besser verkauft“. Da mach ich nicht mehr mit...

 

Brane: Wieso macht ihr eigentlich immer noch Goa Trance?

 

Dario: Psy-Trance ist schon ne coole Geschichte...

 

Tobias: Kann auf jeden Fall sehr deep sein...

 

Dario: Oh ja. Ich weiß schon, warum ich die ganzen alten Platten nie verkauft habe. Die hör ich auch immer mal wieder an. Die Jungs waren neulich mal bei mir und wir haben ein wenig Goa gehört. Die Jungs fanden das nicht so Wahnsinn, ich fand es mega...

 

Tobias: Wir sollten alle mal zusammen auf eine Goa gehen...

 

Und alle so: Yeah!

 

 

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