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DER KONGRESS lauscht> JAMIE XX ALBUM & MIXES

Was The XX betrifft, ist wohl im letzten Jahr bereits jedes Beifall spendende Adjektiv verbraten worden, jedoch sollte man einen Akteur aus aktuellem Anlass noch genauer beleuchten. Denn ein Drittel des XL Recordings Zugpferd The XX, namentlich Jamie Smith, bereitet seinem Labelchef Richard Russell mehr als nur Freude. Nachdem alle Welt seit dem The XX Blend von Florence & The Machines "You´ve got the love" weiß, wie es um die Remixerqualitäten dieser Band bestellt ist, schießen jetzt die Jamie XX DJ Mixe wie Pilze aus dem Boden, erfreuen sich jeder Menge Airplay und bleiben dabei immer wieder einem Grundprinzip treu: dem der Crosspromotion. So werden alle Labelmates von XL wie Dizzee Rascal oder Adele integriert, das Sublabel Young Turks gepusht und einem der ganz Großen, Gil Scott Heron, ein weiteres Denkmal gesetzt. Dies geschieht in Form einer äußerst interessanten und hörenswerten Neuinterpretation, des von Russell letzten Jahres selbst produzierten Herons Albums "I´m new here". Was damals noch als reinste Ironie zu werten war - wenn jemand der seit Zeiten von "The revolution will not be televised" zu den Legenden der Musikgeschichte gehört, und überdies mit seiner Spoken Word Legacy als Urvater des Raps bezeichnet wird - behauptet er wäre neu im Biz, ist jetzt wirklich neu. Denn bei dieser Remix Kollabo von Jamie XX und Gil Scott Heron mit dem Titel "We´re new here", die gestern veröffentlicht wurde, sind es tatsächlich die Unterschiede zwischen den beiden, die dieses Album so außergewöhnlich machen: Gil Scott-Heron nuschelt und raunzt seine Texte, während Jamie XX die Musik komplett auseinanderbaut, wieder neu zusammenfrickelt, und mit allerhand Parts versetzt, die die Musikhistorie in ihrer Genrevielfalt so zu bieten hat. Funk-lastige Tracks wie die damalige Single Auskopplung 'New York Is Killing Me' wird so zu einem grandiosen Dubstep Fiepen mit großartigen Drop-Ins, aber nie, mit dem von vielen anderen so angestrebten totalen Euphorie Outbreak. „Die Sets, die mir am besten gefallen, erreichen nie den letzten Gipfel der Aufregung, sondern halten die Spannung gerade so hoch, dass sie die Aufmerksamkeit des Publikums für Stunden auf sich ziehen", sagt der Künstler selbst über seine Art des Mixings. Südstaaten-Crunk und Old School Raps gehen Hand in Hand in ein House, voller Big Beat, Grime und UK Garage, wobei Soul und Jazz immer noch die Regeln dieser Wohngemeinschaft vorgeben. Ab und an kommen Balladen, klassischer Drum´n´Bass und Techno zu Besuch und erkundigen sich nach den vorbeiziehenden Dubstep-Splittern. Klingt nach einem einsturzgefährdeten Gebäude, denn eigentlich ist die Mischung unmöglich, dennoch ist rein gar nichts an diesem Konstrukt fragil, am Ende würden sogar Violinen und Kindergesang dazu passen! Wer Ende letzten Jahres Gil Scott Herons wunderschönes Konzert in der Muffathalle genießen konnte, mit all diesen lehrreichen und humorvollen Interludes zwischen den so "larger than life" dargebotenen Songs, der weiß, dass sich dieser Mann nicht mit irgendeinem dahergelaufenen Jungen auf ein komplettes Remix Album verständigen würde. Wer daher aufmerksam den hier angeführten Mixen von Jamie XX lauscht, merkt sofort dass dieser junge Mann keine neue Modeerscheinung ist, sondern ein unfassbares Talent verkörpert. Und wie sein Labelchef Richard Russell auf die Frage nach einer sterbenden Musikindustrie entgegnete: "It's not dying . . . it's changing. But then it always has been, as is the whole world. I just don't think about the future at all. It's not my responsibility." Der Kongress bedankt sich herzlich für diese totale Verantwortungslosigkeit; und wer weiß, vielleicht sind wir verantwortungslos genug um Jamie XX für eines seiner Sets nach München zu holen?

Hier noch das besprochene Album & ein weiterer Mix zum anhören und sein phantastischer BBC 6 Mix zum Download...

Jamie xx - In The Mix for Benji B on BBC Radio 1 by Hypetrak
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